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19.03.2016 | Dewezet vom 19.03.2016/Autor: Joachim Zieseniß
„Wir werden alleine gelassen“
Integrationshelfer klagen über mangelnde Unterstützung vom Landkreis Holzminden
Ehrenamtliche Integrationshelfer fühlen sich in der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle vom Landkreis allein gelassen. In der Kommunikation mit Behörden laufe vieles schief. Auch die Situation der Flüchtlinge sei verbesserungswürdig: Diese würden vielfach in unmögliche Immobilien einquartiert.
v.l. Birgit Oerke, René Rehfeldt, Uwe Schünemann MdL, Editha Lorberg MdL und Tanya Warnecke
Bodenwerder-Polle - Die Berichte, die die ehrenamtlichen Integrationshelfer zur Flüchtlingspolitik und Flüchtlingssituation in der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle abgaben, waren schockierend: Davon, dass sie vom Landkreis Holzminden mit den Problemen so ziemlich alleine gelassen werden, dass die Neuankömmlinge vom Kreis vielfach in unmögliche Immobilien einquartiert werden und in der Kommunikation zwischen Helfern und Kreisbehörde vieles schiefläuft war die Rede. Eingeladen hatte der CDU-Samtgemeindeverband Bodenwerder-Polle zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung ins Hotel Königszinne.

Eingeladen hatte man zu diesem Anlass auch Parteifreunde, die die von den Ehrenamtlichen geschilderten Erlebnisse in den landes- und lokalpolitischen Kontext zu stellen versuchten. So war auf das Podium Editha Lorberg, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion und deren Aussiedlerbeauftragte, geladen worden. Ihr zur Seite saßen Tanya Warnecke, CDU-Samtgemeindebürgermeister-Kandidatin sowie der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Schünemann.

Rund 1000 Asylbewerber wurden im Vorjahr im Landkreis Holzminden aufgenommen. Nach der Auflösung des Erstaufnahmelagers in der Sporthalle des Schulzentrums Bodenwerder wird derzeit davon ausgegangen, dass noch etwa 130 Flüchtlinge im Gebiet der Samtgemeinde leben.

Dabei wurde von den anwesenden Integrationshelfern berichtet, dass eigentlich immer nur von Tageszahlen zu sprechen sei: Viele der noch unregistrierten Flüchtlinge seien oft am nächsten Tage schon unauffindbar weitergereist. So kann mit Sicherheit nur festgestellt werden, dass momentan Flüchtlinge in Bodenwerder, Polle, Rühle, Kirchbrak, Ottenstein, Heinsen und Vahlbruch untergebracht sind. Dass bei diesen Einquartierungen die Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis Holzminden und den Gemeinden teilweise katastrophal sei, berichteten die parteilose Poller Bürgermeisterin Ulrike Weißenborn und Vahlbruchs Bürgermeister Heinrich Ostermann (CDU). Sie beklagten „desolate Flüchtlingsunterkünfte ohne jegliche Infrastruktur“ (Vahlbruch) und beschrieben Immobilien, die der Kreis ausgewählt habe und die dann wegen Schimmelbefalls unbewohnbar gewesen seien.

Fazit des Meinungsaustausches: Wenn die viel beschworene „Willkommenskultur“ in der Samtgemeinde überhaupt noch in Ansätzen funktioniert, so sei das den zahlreichen ehrenamtlichen Integrationshelfern zu verdanken, die sich mit viel Engagement und Herzblut um die Neuankömmlinge aus den unterschiedlichsten Nationen kümmern. Von Kreis und Land fühlten sich die meisten allein gelassen: „Das kostet uns als ehrenamtliche Helfer viel Kraft“, so Ulrike Weißenborn.

Und hier setzte auch die harsche Kritik aus Richtung Podium an. So meinte Editha Lorberg, es sei erschreckend, dass man sich bei Land und Kreis völlig auf das Ehrenamt verlasse, ohne das hierzulande nichts passieren würde. „Echte Maßnahmen zur Integration vonseiten der Landesregierung gibt es noch nicht und die SPD-Initiative ,Niedersachsen packt an‘ ist nichts anderes als ein Showprogramm“, so die CDU-Aussiedlerbeauftragte. Sie forderte mit Nachdruck, dass den Ehrenamtlichen endlich bezahlte Hauptamtliche zur Seite gestellt werden, um mit der Integration der Flüchtlinge mit Bleiberecht sofort beginnen zu können. Eine Forderung, die auch Uwe Schünemann bekräftigte: Das Land dürfe „die Kommunen nicht länger im Regen stehen lassen“. Es sei schnellstens ein Integrationsfahrplan zur Orientierung aller erforderlich. Und dies sowohl im Bereich einer verbindlichen Sprachschulung als auch in der sofortigen Berufsorientierung der Neuankömmlinge. Das, so Schünemann als ehemaliger niedersächsischer Innenminister, sei in Integrationszentren zentral zu leisten – zumal sich der Landkreis weigere, die Fahrtkosten der Flüchtlinge zur Sprachschulung zu übernehmen.

So blieb als Ergebnis der Diskussion die Frage offen, ob man in der Samtgemeinde wirklich derzeit die Kapazitäten habe, nach der Aufnahme der Flüchtlinge nun auch deren Integration leisten zu können. Angesichts der zu erwartenden Nachzüge von Frauen und Kindern, so die einhellige Meinung der Runde, würden künftig Kitas und Schulen stark gefordert. Und hier, so Tanya Warnecke, sollten dann keinesfalls die Gruppen- und Klassenstärken erhöht und auf eine Integrationsverpflichtung nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen geachtet werden.

Autor: Joachim Zieseniß
Telefon: 05151 / 200-412
E-Mail: j.zieseniss@dewezet.de


aktualisiert von Andreas Lueddecke, 01.04.2016, 11:33 Uhr
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